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Über das Gähnen


Einmal haben wir in einem Workshop für Stimm- und Theaterarbeit als Warm Up 45 min damit verbracht, uns zu räkeln und zu strecken und laut zu gähnen bis uns die Tränen kamen. Ich war verblüfft, über den satten, warmen und vollen Klang meiner Stimme im Anschluß an die Übung. Ich konnte Vibration und Resonanz im ganzen Körper wahrnehmen. Spätestens seitdem kann ich jederzeit und immer wieder herzhaft gähnen und vergesse dann sogar, daß man das ja nicht tut, den Mund soweit aufreißen. So passiert es manchmal, daß ich zu Beginn einer Yogastunde eine halbe Stunde immer wieder gähnen muß. Auch wenn ich in den Stimmtherapien Übungen anleite, wird der Gähnreflex bei mir sehr schnell ausgelöst. Das Gähnen hat dann nicht unbedingt mit Müdigkeit zu tun, sondern dient dem Körper dazu, sich zu regulieren. Das Gähnen macht mich munterer und klarer.

Es wird in der Literatur auch das Stressgähnen beschrieben. Das typische Extrembeispiel hierfür ist der Fallschirmspringer, der vor dem Absprung  im Moment der größten Anspannung gähnt.

Insgesamt gibt es wenig Forschung über das Phänomen des Gähnens, dabei tun wir es sogar schon als Embryo im Mutterleib und alle Wirbeltiere tun es!

Was passiert eigentlich beim Gähnen?

Wenn wir gähnen, schlägt unser Herz schneller und pumpt mehr Blut ins Gehirn. Zugleich wird das Gehirn gekühlt. Die frische Luft, die wir tief einsaugen beim Gähnen, kühlt das Blut auf seinem Weg ins Gehirn durch viele kleine Adern in Rachen und Nase ab. Gähnen ist unsere biologische Klimaanlage, es macht munter.

Gähnen hilft dem Magen

Gähnen lässt den Speichel fließen, denn es drückt kräftig auf die Speicheldrüsen. Speichel dient der Vorverdauung und hilft dadurch dem Magen. Der Speichel  legt sich auch schützend über die Schleimhäute in Mund und Rachen. Das schützt auch vor Erkältungen, denn Erkältungserreger lieben trockene Schleimhäute und öffnen damit Tür und Tor für Viren und Bakterien

Gähnen schützt die Augen

Der Muskeldruck regt die Tränendrüsen an. Dadurch werden die Augen befeuchtet. Das schützt die Augen vor Austrocknung, vor Entzündungen, Reibeschmerzen, Fremdkörpern.

Gähnen als Warm Up für die Stimme

Auf muskulärer Ebene werden durch das Gähnen Muskeln gedehnt im Hals, in der Zunge, im Nacken, im Kiefer. Der Kehlkopf weitet sich, das Gaumensegel hebt sich. Eine dreidimensionale Ausdehnung der gesamten Muskulatur, die wir beim Sprechen und Singen benötigen.

Es entsteht also Raum und Weite und Befeuchtung und wir schaffen ideale Voraussetzungen fürs Tönen und Singen. Wo Raum ist, ist Resonanz möglich. Wo Muskeln und Gewebe entspannt sind, können sie schwingen und vibrieren.

So hoffe ich, daß schon das Lesen über das Gähnen Sie angeregt hat herzhaft und laut zu gähnen mit einer horizontalen größtmöglichen Kieferweite – man kann ja die Hand vor den Mund halten.


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Referenzen

  • „Danke .... für viele Tipps zur Artikulation, Stimme und Stimmung, Prosatext-Verkörperungen, Aussprache-Hinweise, Training für Zunge, Lippen, Gesicht und Körperklangräume, Übungen für Atmung und Mikrofonstimme, gelungenere s-Laute, Sanjotherapie und den guten Austausch!“

    Februar 2018

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